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Das "Goldene Brett" geht an den selbsternannten "König von Deutschland"

Zuletzt aktualisiert von presse am 25. November 2017 - 18:31
Negativpreis für den größte unwissenschaftlichen Unsinn des Jahres

Zum siebten Mal wurde am 23. November 2017 von der Skeptiker-Vereinigung GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) das "Goldene Brett vorm Kopf" verliehen, ein Satirepreis für den größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres. Auch dieses Jahr waren wieder hunderte Vorschläge online eingegangen, eine Jury wählte zunächst die drei Finalisten und schließlich den Sieger aus. Das Goldene Brett ging an Peter Fitzek, den selbsternannten "König von Deutschland".

Preisträger Peter Fitzek handelte mit Esoterikprodukten, schrieb das Buch "Wege zur Entdeckung feinstofflicher Welten" und bot in seinem "Lichtzentrum Wittenberg" Seminare über eine Vielzahl esoterischer Themen an. Bekannt wurde er allerdings als Führungspersönlichkeit der sogenannten "Reichsbürgerbewegung", von der die Existenz der Bundesrepublik Deutschland geleugnet wird. Auch in Österreich hat sich inzwischen eine derartige Gruppe gebildet. Die Reichsbürger behaupten, Deutschland sei kein legitimer souveräner Staat, daher müsse man sich auch nicht an seine Regeln und Gesetze halten. Häufig wird Deutschland als "Firma" oder "GmbH" bezeichnet, deren Forderungen keine legale Bedeutung hätten.

Fitzek rief das "Königreich Deutschland" aus und ließ sich selbst zum "König von Deutschland" bzw. zum "Imperator Fiduziar" krönen. Er gründete eine "Königliche Reichsbank", in die seine Anhänger Geld einzahlten und erfand sogar eine eigene Währung - das sogenannte "Engelgeld". Als Fitzek beim Übertreten einer Geschwindigkeitsbegrenzung erwischt wurde, zeigte er einen selbst ausgestellten "Führerschein des "Königreichs Deutschland" vor. Wegen Veruntreuung der in die Bank eingelegten Gelder und unerlaubter Bankgeschäfte wurde Fitzek schließlich zu einer Haftstrafe verurteilt.

Bunte Mischung unhaltbarer Thesen

Einen offensichtlich existierenden und weltweit anerkannten Staat abzulehnen, sei zwar keine Leugnung naturwissenschaftlicher Fakten, wie das sonst im Bereich der Esoterik oft üblich sei, so die GWUP, doch ein "Goldenes Brett vorm Kopf" habe man sich damit allemal verdient. Ein Staat sei losgelöst von einem gesellschaftlichen Konsens nicht denkbar - ihn zu leugnen und einen eigenen auszurufen, sei ähnlich widersinnig wie die Forderung, die deutsche Sprache ab sofort durch Klingonisch zu ersetzen oder das Tragen von Hosen bei Strafe zu verbieten, um der Toga zu einem modischen Comeback zu verhelfen: Es demonstriere ein beeindruckendes Maß an Unverständnis darüber, wie menschliches Zusammenleben funktioniert.

Außerdem zeige Fitzek, wie eng scheinbar unterschiedliche Bereiche der Esoterik miteinander verwoben sind: Klassische Esoterik (von Feinstofflichkeit bis zu fernöstlich geprägtem New-Age-Denken) verschwimme hier mit braun-germanischem Gedankengut von Ryke Geerd Hamer (er gewann 2016 das Goldene Brett vorm Kopf) und obskuren politischen Verschwörungstheorien. Menschen, die in dieses Gedankengeflecht geraten, könnten sich so in einem gefährlichen Netz aus irrigen Vorstellungen verfangen.

Brett fürs Lebenswerk: Cornelia Bajic vom Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte

Auch ein Preis für das Lebenswerk wurde wieder vergeben. Er ging an Cornelia Bajic, stellvertretend für den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Für die GWUP ist dieser Homöopathie-Lobbyverein maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass die Homöopathie im deutschen Sprachraum nach wie vor eine Verbreitung und ein Ansehen genieße, das sie aus wissenschaftlicher Sicht nicht verdient habe: "Zum einen konnte die Wirkung der Homöopathie trotz vieler Versuche bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden, zum anderen widersprechen ihre Grundgedanken ganz fundamental den Naturgesetzen, die in der Wissenschaft längst bestens bestätigt und allgemein anerkannt sind," stellt die Skeptikervereinigung fest.

Die öffentliche Verleihungsfeier für "Das Goldene Brett vorm Kopf" fand am 23. November 2017 in der Urania in Wien und gleichzeitig bei der Parallelveranstaltung in Hamburg im Schanzenkino73 statt. Mehr Info unter www.goldenesbrett.guru/