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Ahmadiyya als Körperschaft des Öffentlichen Rechts

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 16. Juni 2013 - 2:00

Der Fakt, dass Hessen die Ahmadiyya als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt hat (13.6.), löste in der gbs eine Diskussion aus - mit Weiterungen (18.6.). Wiki beschreibt die Ahmadiyya als islamische Religionsgruppe mit indischem Ursprung, und das Wesen der Körperschaft des öffentlichen Rechts ist dort auch beschrieben. Man muss es aushalten, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat dort neben dem bfg genannt ist (unter "Einteilung nach Art der Rechtsquelle").

Zur Schuldfrage "wer ist böser, der Islam oder das Christentum?" gab es eine lebhafte Auseinandersetzung, siehe dazu auch das Thema Nigeria auf unserer Islamseite. Es wurde auch beklagt, dass zwar viele Argumente ausgetauscht wurden, dass aber keine stringente Kritik an der Vergabeweise bei der KdöR herauskam. Kann ja noch werden (23.6.).

Die folgenden Aussagen werden im bfg nicht allgemein unterstützt, dazu unten C): Anscheinend ist nicht die Frage, ob die Religions- oder Weltanschauungs-Gruppe das Grundgesetz und die Menschenrechte respektiert. Die Fragen, die sich dazu stellen: Die wollen alle das Gute, aber dürfen sie uns das antun? Und muss man sich gegen die staatliche Anerkennung von menschenrechtswidrigen Gruppen wehren? Soll die Ahmadiyya wirklich den Staat damit beauftragen dürfen, ihre Mitgliedsbeiträge einzuziehen? Also Toleranz vs. Privilegien. Wir bringen die Standpunkte von einem Warner A), den seine eigenen Erfahrungen auf langjährigen Reisen durch so ziemlich alle islamischen Staaten in den Antiislamismus getrieben haben, und jemand mit mehr Abstand B), der fremdenfurchlos argumentiert. Dazu die kritischen Stellungnahmen C) und D). (anonymisiert und gekürzt, z.T. kommentiert).

A) Mit diesem Dammbruch in der europäischen Rechtskultur und dem freiheitlich-europäischen Wertekanon war schon länger zu rechnen. Die Verantwortlichen haben unserem Land einen furchtbaren Dienst erwiesen. Das politische Ziel der Ahmadiyya ist die Errichtung einer islamischen Ordnung auf der ganzen Welt. Das bedeutet Abschaffung der freiheitlich demokratischen Grundordnung und Aufbau eines Kalifats mit Scharia-Recht. Ihre Doppelstrategie besteht aus legalistischer Anpassung und vordergründiger Integration einerseits und Machterweiterung andererseits. Die Ahmadiyya betreibt eine gesteigerte Form der islamischen Herrschafts- und Gehorsamsreligion. Lebenslanger Gehorsam und Pflichtzahlungen sind nur einige Merkmale der Ahmadiyya. Zur Selbstinszenierung gehört die Behauptung, Ahmadiyya betreibe einen „Reformislam“. Ahmadiyya hat Ihre Basis in Deutschland und betreibt von hieraus ihren Vormarsch bereits in zwanzig Ländern.

Die Anerkennung Islamischer Religionsgemeinschaften als Körperschaft öffentlichen Rechts bedeutet, daß man gegen deren erklärte Ziele und Inhalte ("religiöse Wahrheiten") nicht mehr vorgehen kann, und sich mit Kritik an diesen sogar strafbar machen kann. Habt Ihr den Koran schon gelesen?  Wenn nicht, dann tut es (zB hier)! Würde man Neonazis, die Hitlers "Mein Kampf" als leitendes Manifest vertreten, als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkennen, es wäre nicht schlimmer. Die Scharia wird in Deutschland nun nicht nur mehr stillschweigend praktiziert und toleriert, sie ist auch auf dem Wege zur Legalität. (Kommentar: die Bibel steht dem Koran in puncto abschreckende Zitate kaum nach. In der folgenden Begründung für den provokanten Mohammed-Hitler-Vergleich wird das Vormittelalter der Neuzeit gegenübergestellt, wo die Menschenrechte schon bekannt waren. Immerhin liefert A) eine beeindruckende Liste von Parallelen, die einem zu denken gibt.)

 

  1. Sowohl der Koran, als auch "Mein Kampf" wurden von jeweils einer Person im Alleingang geschrieben: Das erstere von Allah (mit Mohammed via Erzengel Gabriel als Medium (Anmerkung: Mohammed konnte nicht schreiben, er musste einem Schreiber diktieren)), das zweite von Adolf Hitler (von der "Vorsehung" eingegeben).
  2. Beide Autoren und Bücher befehlen die gewaltsame Vernichtung der Andersgläubigen - 6 Mio ermordeter Juden (Kommentar und 6 Millionen mit anderen Konfessionen) gegenüber zig Millionen ermordeter Christen.
  3. Sowohl Mohammed als auch Hitler haben diese Direktive kraftvoll in die Tat umgesetzt.
  4. Beide Autoren und Bücher befehlen die Unterdrückung der Frauen, wobei die absolute Zurücksetzung der islamischen Frau noch bischen radikaler ist als Hitlers Heimchen am Herd-Ideal.
  5. Beide Autoren haben seltsame Sexual-Verhalten, z.B. Mohammeds Pädophilie (mit Aisha seit deren 6. Lebensjahr, ausserdem eigenhändige Steinigung einer seiner Frauen).
  6. Beide werden von ihren Anhängern abgöttisch verehrt.
  7. Beide haben zig Millionen Todesopfer durch die Ausbreitung-Kriege auf dem (nicht vorhandenen) Gewissen, ca 250 Millionen bei Mohammed gegenüber ca 60 Millionen von Hitler.
  8. Hitler hat den Islam bewundert (Aussprüche wie sinngemäß "Hätte doch das deutsche Volk so tapfer gekämpft wie die Muslime..." und die Muslime bewundern heute noch Hitler (eigene Erfahrung auf meinen langjährigen Reisen durch so ziemlich alle islamischen Staaten).
  9. Beide befehlen den Anhängern für massenhaften Nachwuchs zu sorgen zwecks Ausbreitung. (Anmerkung: das ist allen erfolgreichen Religionen und Ideologien gemein.)

 

B) Andererseits möchte ich das negative Bild über die Amadiyya sehr in Frage stellen. Sicherlich, es handelt sich um eine missionarische monotheistische Bewegung, wie alle mir bekannten christlichen Bewegungen jedoch auch. Letztere machen wohl über vier fünftel aller Körperschaften des öffentlichen Rechts im Bereich Weltanschauungen überhaupt aus. Um nur ein Dutzend aus dieser hübschen Sammlung zu nennen:

  • Alt-Katholische Kirche in Deutschland
  • Kirche der Altpreußischen Union
  • Apostelamt Jesu Christi
  • Baptisten im Nordwesten
  • Russische Orthodoxe Diözese des orthodoxen Bischofs von Berlin und Deutschland
  • Christian Science
  • Evangelische Brüdergemeinde Korntal
  • Heilsarmee
  • Herrnhuter Brüdergemeine
  • Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
  • Siebenten-Tags-Adventisten
  • Erzbistum Straßburg

Nun würde ich gerne A) fragen, ob er über den Status dieser ausgewählten zwölf missionarischen "Gehorsamsreligions"-Organisationen als K.d.ö.R. ebenso entsetzt ist wie nun bei der Ahmadiyya. Ob er diese zwölf Organisationen ebenso mit "Neonazis, die Hitlers 'Mein Kampf' als leitendes Manifest vertreten" vergleichen würde, und wenn nicht, wieso nicht?! - Ob der Status K.d.ö.R. bei den genannten zwölf Organisationen A) auch (...) "einen Dammbruch in (...) Rechtskultur und dem freiheitlich(...)en Wertekanon" sieht.
Zu einer anderen Sicht auf die Amadiyya möchte ich einladen, den Wikipedia-Artikel (nochmal der Link von oben) über diese islamische Konfession zu lesen. Diese Darstellung ist sicherlich keine kritische, aber doch eine interessante Ergänzung und Gegendarstellung zu den Worten von A). Übrigens ist der verlinkte Artikel Der Islam gehört nun offiziell zu Deutschland aus der als konservativ bekannten Zeitung "Die Welt" selbst gar nicht negativ gehalten, es lohnt sich beinahe, ihn mal zu lesen.

C) legt Wert auf die Klarstellung, dass wir als bfg den xenophoben oder rechtslastigen Positionen der Islam-Basher kein Podium bieten oder gar dem Christentum huldigen. Vielmehr muss auch der christliche Standpunkt kritisiert werden, der in keiner Weise besser ist als der islamische (und hinduistische). "Wie Jesus das Haupt der Kirche, so sei der Mann das Haupt der Frau". Die Bedeutung galt nicht nur im Mittelalter oder vor der Aufklärung. Das wird auch heutzutage 1 zu 1 in der Praxis umgesetzt, Gleichberechtigung von Frauen gibt es in der katholischen Kirche nicht mal im Ansatz. Hier übrigens noch ein paar Zitate zur Nachhilfe.

Und wer nach Zitaten in der Bibel zur Gewalt fragt: an 1.500 Stellen in der Bibel tötet der christliche Gott Andersdenkende und Fremde oder fordert deren Tod. Man nehme als Beispiel Moses, der mit den 10 Geboten vom Berg kommt (u.a. "Du sollst nicht töten") und dann im Auftrag Gottes seine Anhänger niedermetzelt, weil sie ums Goldene Kalb tanzen, also einen anderen Gott haben. Und das 1. Gebot? Exodus 20: "… 3 Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. … 5 …. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation". Oder man lese zur Gaudi die Offenbarung des Johannes im NT, eine Orgie von Gewaltphantasien gegen u.a. Ungläubige. Mankönnte die Reihe weiterführen - das Christentum ist nicht besser, sondern bestenfalls im Moment besser in Zaum gehalten. Lass die mal wieder das Sagen haben... (Kommentar: wehe, dann machen wir Revolution.)

Welche Ziele hat jemand, der solche Sachverhalte gezielt ausblendet, das Christentum zumindest relativ verteidigt, belastende Beweise nicht sehen will, s.o. und dann speziell auf die (natürlich ebenso kritikwürdige) islamische Religion losgeht? Ist das nicht letztendlich einseitige Propaganda gegen den Islam, wenn nicht mit derselben oder größerer Intensität gegen die Bibel argumentiert wird? Man kann nicht so argumentieren wie der Pfarrer, der unsere relative Freiheit hier dem Christentum zurechnet, obwohl sie unter Blutzoll gegen diese Religion erkämpft werden musste.

Unbestritten, dass unsere Gesellschaft hier im Moment besser ist als die der islamischen Religionsstaaten, aber im Mittelalter war's andersrum. Und in Nigeria töten die Christen heut noch Hexen und Schwule. Auch das Massaker zwischen Hutus und Tutsis wurde von katholischen Pfarrern angestoßen.. Siehe Wikipedia: " Religion und Genozid": Ruanda galt bis 1994 als das am stärksten katholische Land in Afrika. 68 Prozent der Bevölkerung zählten vor April 1994 zur katholischen Kirche, 18 Prozent gehörten protestantischen Kirchen an. Ungefähr ein Prozent waren Muslime. Gegen alle christlichen Gemeinschaften mit Ausnahme der Zeugen Jehovas[131] werden Vorwürfe erhoben, in den Völkermord verstrickt gewesen zu sein. In besonderem Maß wird der katholischen Kirche eine indirekte Mitverantwortung vorgeworfen. Sie verfügte über enge Beziehungen zur Machtgruppe um Habyarimana.

Fazit: das Christentum ist also nicht um einen Deut besser! Wenn man die Piusbrüder mit liberalen Moslems vergleicht, dann hebelt sich die konträre Argumentation sofort aus. Diese unterschiedliche Sichtweise soll sich auf der Homepage des bfg nur innerhalb dessen widerspiegeln, was der bfg vertritt. Es soll nicht um unterschiedliche Positionen außerhalb gehen, also im Extremfall auf der einen Seite Neonazis und auf der anderen irgendwelche Extremlinken (wobei sich die Ränder oft berühren), sondern der bfg hat eine bestimmte, im Programm definierte Position, die sich klar von religiösen Sichtweisen abgrenzt wie auch von fremdenfeindlichen, esoterischen, homophoben usw.

D) findet diesen Artikel generell auch sehr problematisch und eher kontraproduktiv:

  • Der Artikel macht juristische Andeutungen ohne diese zu substantiieren und schafft damit mehr Verwirrung als Klarheit: "Die Anerkennung Islamischer Religionsgemeinschaften als Körperschaft öffentlichen Rechts bedeutet, daß man gegen deren erklärte Ziele und Inhalte ("religiöse Wahrheiten") nicht mehr vorgehen kann, und sich mit Kritik an diesen sogar strafbar machen kann". In welchem Gesetz steht das? Der 166iger ist meines Wissens nicht an die Gesellschaftsform gekoppelt. Denke, man sollte bei solchen Aussagen entweder die Rechtsquelle nennen oder sie unterlassen, sonst klingt das sehr nebulös bis irreführend. Ich bin sehr skeptisch dass die Gesellschaftsform irgendeine rechtliche Wirkung auf die Möglichkeit hat, diese zu kritisieren (Subventionierung durch den Staat ist ein anderes Topic)
  • Man sollte in der Diskussion klar trennen zwischen der Kritik an einem „heiligen Buch“ (Bibel/Koran) und der zugehörigen Organisation (Christlich oder Muslimisch unterschiedlichsten Grades an Radikalität). Inhaltlich schließe ich mich da C) an. Man kann Koran mit Bibel vergleichen, liberale Christen mit liberalen Moslems, Fundi-Christen mit Fundi-Moslems. Aber bei einem Vergleich von Fundi-Moslems mit ausgesuchten harmlosen Bibelstellen oder mit liberalen Christen hat man sich das Ergebnis des Vergleichs schon durch die Wahl der Vergleichsobjekte ausgesucht.   
  • Das Argument „Sowohl der Koran, als auch "Mein Kampf" wurden von jeweils einer Person im Alleingang geschrieben“ in diesem Artikel finde ich sehr seltsam… nach diesem Argument gerät ja jedes Buch von einem Einzelautor unter Generalverdacht. Auch wenn das nicht als Position des bfg dargestellt wird sondern als Dialog rübergebracht wird besteht die Gefahr dass ein oberflächlicher Leser diese Position dem bfg-M zuschreibt. Zumindest müsste sich der bfg-M vorhalten lassen, solchen Argumenten eine Plattform zu bieten.

Vielleicht kann man ja auf einen Artikel von Hamed Abdel Samad verweisen, um das Thema auch im bfg stärker zu pushen?