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Alle sind CHARLIE - Die Zeit der großen Krokodilstränen

Zuletzt aktualisiert von Michael Wladarsch am 10. Januar 2015 - 12:15

Noch überwiegt die Fassungslosigkeit und die Trauer über die Anschläge in Paris, die mit brutalem menschenverachtendem Fanatismus verübt wurden. Die Welt ist entsetzt. Alle sind CHARLIE. 

So wichtig die Solidarität und die Sympathiebekundigungen sind, kann man sich doch dem Eindruck nicht erwehren, dass auch viele falsche Freunde versuchen Kapital aus dem Schock zu schlagen. Todesstrafe hier, missverstandene Religionen da und alle Pressevertreter waren plötzlich mutig frech und kompromisslos kritisch. Da werden viele Krokodilstränen geweint.

Langsam jedoch finden sich in den Medien Kommentare mit weiterem Blick.

Horizon Herausgeber Sebastian Loudon hat die Presse im Auge wenn es schreibt: "Wir sind nicht Charlie. Aber wir sollten vielleicht versuchen, mehr wie Charlie zu sein und die Freiheit, die wir so vehement für uns in Anspruch nehmen, auch tatsächlich nützen."

Christian Schiffer vom BR schreibt: "Wenn über ein paar Tausend Jahre hinweg Gläubige verschiedener Religionen ihre Religion immer wieder dergestalt missverstehen, dass sie im Namen ihrer Religion andere Menschen umbringen, dann sollte man sich vielleicht mittelfristig auf weniger missverständliche Konzepte einigen."

Oliver Kolkofe für Tele5 fragt: ... "Warum ist dann aber die Religion seit Jahrtausenden der (zumindest vorgeschobene) Hauptgrund für die meisten Kriege, Morde und gewaltsamen Auseinandersetzungen auf der Welt? Warum wird der Glaube von allen Idioten für die Gewalt missbraucht? Dies richtet sich übrigens nicht allein gegen fanatische Islamisten – die Christen müssen sich da wahrlich nicht hinter anderen verstecken, ihre schlimmsten Verbrechen sind nur zum Glück etwas länger her."

Leserbriefschreiber der SZ, Kommentatoren der TAZ und viele andere mehr blasen ins selbe Horn.

Lassen wir uns also nicht vormachen. Die Scheren in den Köpfen sind allgegenwärtig und warum - so fragen wir uns - sollten sich die Kirchen als Medizin für Krankheiten präsentieren, die sie selbst hervorrufen?

Wenn eine Aussage Fehlinterpretationen zulässt, was muss dann verändert werden? Die Aussage oder die Interpretation?

Als Humanisten sind wir davon überzeugt, dass ein friedliches Zusammenleben auf der Basis menschlicher Werte möglich ist. Nicht wegen, sondern trotz Religion. Es gibt Moral jenseits der zehn Gebote und dem Koran. Als freie, soziale und vernunftbegabte Wesen müssen wir gegen Extremismus, Fanatismus und Intoleranz zusammenstehen. Grade in Zeiten von Charlie Hebdo und Pegida. Dazu brauchen wir keine göttliche Offenbarung. 

Auf den Mensch kommt es an!