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Kirche verliert immer mehr Gläubige

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 2. Mai 2013 - 2:00

Wir singen dem Monster ein Lied - Wer die Abkehr vom Glauben musikalisch untermalen möchte, kann jetzt eine Musik-CD für Pastafaris erwerben (21.5.). Auf dieser CD gibt es zu jedem Fest zu Ehren des Fliegenden Spaghettimonsters den passenden Song. Zum Passtahfest (Ostern) gibt es "Der Mond ist aufgegangen", zum Ramendan (Ramadan) gibt es den Song "Verkehrt", zum "Lichterfest" (Weihnachten) gibt es "Jubelt, Jubelt" und die Freitagsmonsterdienste lässt man mit den "Am Liebsten Wäre Mirs" ausklingen. Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters steht für das Abhalftern von Gott - der Typ wurd nicht mehr gebraucht.

Der Spiegel berichtet über eine interessante Idee (1.5.): Menschen in London bei der "Sonntagsversammlung", einer Zusammenkunft von Menschen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, sich aber doch sonntagmorgens treffen wollen. Die atheistische Kirche Großbritanniens ist gerade einmal drei Monate alt, hat aber schon mehr Anhänger, als in die sonntäglichen Runden hineinpassen.

Eine neue Statstik der Religionszugehörigkeit in Deutschland aus Bild der Wissenschaft 1/13 (Tabelle nicht online, eingestellt 5.4., Extrapolationen bfg):

 

Jahr

Evangelisch

Katholisch

Sonstige

Muslimisch

Konf.frei

Bemerkung

1950

50.6

45.8

3.6

 

 

 

1961

51.1

45.5

3.5

 

 

 

1970

49.0

44.6

1.2

1.3

3.9

 

1987

41.6

42.9

1.2

2.7

11-4

 

1990

39.9

35.4

1.6

3.7

22.4

 

2003

31.1

31.3

1.7

3.9

31.3

 

2010

29.3

29.2

2.0

2.3*

37.2

*korrigiert

2013*

28

28

2

2

40

*extrapoliert

2018*

25

25

 

 

45

*Prognose

2023*

22

22

 

 

50

*Prognose

* Die Korrektur ist von BdW, die Extrapolationen vom bfg. Demnach werden voraussichtlich 2018 die christlichen Religionen zur Minderheit, und voraussichtlich 2023 werden die Konfessionsfreien zur Mehrheit. Die Prognosen basieren auf Austrittsraten von 100.000 pro Jahr (s. unsere Austrittsseite.) und Sterberaten von 1 Mio. pro Jahr, unter Einbeziehung der Altersverteilung (s.u. Alterskultur). Bei dem ersten Link sieht man auch, dass die formale Zugehörigkeit der tatsächlichen Religiosität um 10 Jahre nachhinkt - die Mehrheit ist schon 2013 nicht mehr religiös.

Dazu Zahlen aus der Shell-Jugendstudie 2010: In den westlichen Bundesländern glauben nur noch 23% der Jugendlichen an an einen Gott, im Osten ist der Gottesglaube bei der Jugend gänzlich bedeutungslos geworden. Sogar den katholischen Jugendlichen im Westen ist Gott nur noch zu 44% wichtig. Ganz anders allerdings die muslimische Jugend: Die ist vielleicht nicht voll integriert, aber voll indoktriniert.

In seiner Nr. 30 vom 25. 07. 2011 hatte der SPIEGEL einen interessanten Artikel über den Atheismus geschrieben.  "Gottlose Trendsetter" Auszüge aus dem Text:
Weltweit kommen Religionslose mit einem Anteil von rund 15 Prozent (1 Milliarde) bereits an dritter Stelle nach Christen (rund 2,3 Milliarden) und Muslimen (etwa 1,6 Milliarden). Dennoch ist über die Gottlosen erstaunlich wenig bekannt: Wer sind sie, was glauben sie? Anmerkung: in Deutschland sind die Konfessionslosen die größte Gruppe vor den gleichauf liegenden Katholiken und Evangelen.
Drei Prozent der Protestanten gaben in einer EKD-Umfrage an, nicht an Gott zu glauben.
Die erstaunlichste Einsicht: Die Atheisten wissen mehr über den Gott, an den sie nicht glauben, als die Gläubigen selbst. Zu diesem Ergebnis zumindest kam das Pew Center 2010 in einer Umfrage in den USA. Selbst wenn man den höheren Bildungsgrad der Gottlosen herausrechnete, waren sie in Glaubensfragen besser informiert - gefolgt von Juden und Mormonen.
In der ehemaligen DDR hat sich über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ein volkstümlicher Atheismus der dritten Generation herausgebildet, der längst kein Merkmal der gebildeten Stände mehr ist, sondern Leitkultur.
Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Die Kinder von konfessionslosen Eltern werden mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit ebenfalls konfessionslos - vor allem die Einstellung der Mutter prägt.

Kommentar bfg: das wirft ein Schlaglicht auf die Religionsverbreitung; fast hundert Prozent Indoktrinierung, nur was dann überbleibt, ist vielleicht echter Gehalt. Und man kann nicht behaupten, der Atheismus würde per Indoktrinierung weitergegeben, denn von Natur aus sind die Menschen vielleicht anfällig für religiöse Leichtgläubigkeit, aber nicht gläubig.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet am 30.8. (nicht online) Das Schrumpfen der Kirche - Broschüre der Bischofskonferenz:

 

 

  • 2010 sind so viele Menschen ausgetreten wie seit Jahrzehnten nicht mehr
  • es gab noch nie so wenig Priesteraspiranten
  • noch nie war so geringer Gottesdienstbesuch
  • noch nie fanden so wenige katholische Eheschließungen statt

Man kann den Artikel einsehen bei atheisten-info.at: Papst besucht Schrumpfkirche

Neue Infos vom bfg Bayern (10.8.):

 

 

  1. Die neuesten katholischen Eckdaten für 2010 enthalten eine kleine Sensation. Gemeint sind nicht die gestiegenen Kirchenaustritte, die sich im Rahmen halten, sondern der Rückgang bei den Taufen: Nur noch 25 % der Neugeborenen werden katholisch getauft, und auch zusammen mit den Evangelischen sind es etwa 53 %. Dabei nimmt  die Zahl der jungen Muslime nicht nennenswert zu, sondern nun macht sich bemerkbar, dass schon vor 20 Jahren die Hälfte aller Ausgetretenen unter 30 und ein weiteres Viertel unter 40 Jahre alt waren. Viele von diesen ließen dann auch ihre Kinder nicht mehr taufen. Schlechte längerfristige Perspektiven also für den kirchlichen Religionsunterricht!
  2. „Erschreckend viel Unglaube“ stellen evangelikale Christen in Deutschland fest. Laut einer repräsentativen Umfrage unter 1000 erwachsenen Deutschen glauben zwei von sieben (28 %) nicht, dass Jesus überhaupt gelebt hat. Sogar 20 Prozent der Protestanten und 14 Prozent der Katholiken glauben nicht an Geburt, Leben und Sterben ihres Religionsstifters. (Was diese dann allerdings in einer solchen Religionsgemeinschaft verloren haben, ließ die Untersuchung offen.) Nur ein Drittel aller Befragten ist sich sicher, dass Jesus als Sohn Gottes auf der Erde gelebt hat. (Informationsbrief 8/2011 der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, S.267)
  3. „An welchen Gott glauben Sie?“, wurde der Fernsehmoderator Michel Friedman vom evangelischen Magazin Chrismon gefragt. „An keinen. Meine Mutter war nach dem Holocaust keine gläubige Frau mehr, ich erlebte keinen religiösen Alltag, ich habe an Gott nie geglaubt. Ich wäre auch nicht gern gläubig, das würde mich einengen. Ich möchte nicht nach Geboten und Verboten leben, die irgendwelche Menschen aufgeschrieben haben.“ So unmissverständlich und logisch diese Antwort ist: Der gleiche Mann war - bis 2003 sein Kokainkonsum öffentlich wurde - Mitglied im Bundesvorstand einer christlichen Partei und stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, der sich als religiöses Gremium definiert. Macht Kokaingenuss etwa schizophren? (Chrismon, 8/11, S. 24)
  4. Als Reaktion auf die zahlreichen Fälle von Kindesmissbrauch durch Kleriker und kirchliche Mitarbeiter hat die katholische Kirche in England die Stelle eines „Beauftragten für den Schutz von Kindern in der katholischen Kirche“ geschaffen. Wesentlicher Teil seines Aufgabenbereiches war es zu verhindern, dass Pädophile Zugang zu Kindern in der Kirche bekommen. - Für diese verantwortungsvolle Aufgabe hat sie auch einen absoluten Vollprofi aus den eigenen Reihen gefunden, der seine private Neigung nun gleich zum Beruf machen konnte: Der 49-jährige Christopher Jarvis, Vater von vier Kindern und zuvor neun Jahre lang als Sozialarbeiter für die Diözese Plymouth tätig, wurde nämlich nach kurzer Einarbeitung erwischt, als er Foto- und Videomaterial auf eine Website hochgeladen hatte, auf dem zu sehen war, wie Kinder missbraucht werden. Nach seiner Festnahme räumte er die Verfehlungen ein. Etwas anderes blieb ihm allerdings auch nicht übrig, denn sowohl auf seinem privaten PC als auch auf seinem dienstlichen Notebook wurde kinderpornografisches Material in riesigem Umfang gefunden. Insgesamt handelte es sich um sage und schreibe 4000 Bilder. Bezeichnenderweise ereignete sich der Skandal bereits im März, wurde aber erst vier Monate später bekannt. Damit stellte die Kirche auch gleich unter Beweis, was sie unter „offenem Umgang mit innerkirchlichem Fehlverhalten“ versteht. (Daily Mirror, 31.7.11) Eines kann man der Kirche jedoch nicht vorwerfen: dass sie den Bereich “katholische Pädophilie und Kinderpornographie“ ahnungslosen Dilettanten überlässt. Nein, dafür stellt sie schon kompetente Fachleute mit praktischer Erfahrung ein. Davon hat sie ja auch genügend.
  5. Schließlich noch ein Anliegen in eigener Sache: Der Humanistische Pressedienst (hpd), zu erreichen über www.hpd.de, ist die vielleicht erfolgreichste und wirkungsvollste Einrichtung, die der "säkularen Szene" in den letzten Jahren gelungen ist. Sie hat inzwischen eine Verbreitung, die durchaus mit der von professionellen kirchlichen Pressediensten konkurrieren kann. Nur kostet die Ausweitung des Angebots auch nicht wenig Geld. Zwar wird der hpd von einer Reihe von Einzelpersonen und etwa zehn säkularen Verbänden finanziell unterstützt - darunter vom bfg Augsburg, dem bfg München und inzwischen auch vom bfg Bayern - aber eine breitere finanzielle Basis wäre schon wünschenswert und in unser aller Interesse. Link zum Spenden

(MIZ, 31.7.) Für die Kirchenpresse wurde das Jahr 2010, beherrscht von den Missbrauchsskandalen, zur reinsten Katastrophe. Der Eichstätter Medienwissenschaftler Christian Klenk, der im Auftrag der Süddeutschen Zeitung die Auflagenentwicklung der Bistumspresse untersuchte, stellte einen durchschnittlichen Rückgang von sechs Prozent fest. Er bezeichnet die Abbestellung der Kirchenzeitung als den „kleinen Kirchenaustritt“ der treuen Katholiken, die auf Distanz zur Kirche gehen ohne sie ganz zu verlassen.
Allerdings hat sich die jahrzehntelange Talfahrt im letzten Jahr nur beschleunigt; neu ist sie keineswegs. Die Zahl der echten Abonnenten des im November 2010 eingegangenen Rheinischen Merkur  wurde z.B. mit zuletzt 12.000 angegeben, während Adenauers Lieblingsblatt um 1960 noch mehr als 200.000 Käufer gefunden hatte.
Derzeit werden noch 660.800 Kirchenzeitungen „gedruckt“, 36 Prozent weniger als vor zehn Jahren; in Berlin ist die Auflage um 63 % zurückgegangen, in Paderborn oder Regensburg wurde sie halbiert. Wieviele Exemplare davon tatsächlich verkauft wurden, bleibt offen. Damit kommen auf je 100 Katholiken und Protestanten noch zwei bzw. eine verkaufte Kirchenzeitung. Denn auch die evangelischen Kirchenzeitungen sind auf eine Gesamtauflage von 260.000 geschrumpft und wurden teilweise schon durch eine Chrismon-Ausgabe mit Regionalteil ersetzt. (Anm. MIZ-Red.: Chrismon ist die Nachfolgezeitschrift des eingegangenen Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts, das aber teilweise auch durch Tageszeitungen wie die SZ oder die FR finanziert wird, bei denen dieses Monatsblatt als Beilage geliefert wird.) Die evangelische Pfarrerin und Publizistik-Professorin Johanna Haberer sieht dadurch die innerevangelische Pressefreiheit in Gefahr, zumal langsam, aber sicher „die Kirchengebietspresse stirbt“. Der Versuch, durch das online-Magazin evangelisch.de Boden zu gewinnen, erwies sich als Fehlschlag: Nach zehn Monaten stand die Zählung im Community-Bereich bei ganzen 5304 Besuchern und 1575 Bloggern. (Süddeutsche Zeitung, 28.3.11)
Anm. MIZ-Red.: Zum Vergleich: Die Seite hpd.de des Humanistische Pressedienstes hat täglich mehr Besucher als dieser etwas altbackene online-Versuch einer überalterten Kirche in mehreren Monaten.

(MIZ, 31.7.) Christlicher Glaube und kirchliche Bindung sind unter Frauen und Männern jenseits des 60. Lebensjahrs nicht mehr selbstverständlich. Das geht aus einer Repräsentativbefragung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD (Hannover) bei 2.022 Evangelischen und Konfessionslosen hervor. Etwa zehn Prozent der evangelischen Senioren stuften sich als sehr religiös und 27 Prozent als ziemlich religiös ein. Ein Viertel besucht regelmäßig den Gottesdienst.
Die Befragung widerlege die Annahme, Senioren seien grundsätzlich glaubensstark und kirchennah, so Projektleiterin Petra-Angela Ahrens. Die Einbindung in das kirchliche Leben bleibe hinter den Erwartungen zurück. Zwar sind 37 Prozent der evangelischen Senioren bereit, sich ehrenamtlich in einer Gemeinde zu engagieren, aber vor allem für sehr weltliche Aufgaben wie bei Festen und Angeboten für Senioren sowie Freizeiten und Ausflügen. Ein diakonischer Einsatz komme nur für sieben Prozent in Betracht. (idea, 9.5.11)

Die aktuelle Statistik besagt für Deutschland, dass nur noch 51 % an einen Gott oder ein höheres Wesen glauben. Originalartikel hier. Wenn man die 4 % Muslime abrechnet, bleiben 47 % christliche Gläubige übrig. Bei der verlinkten Seite ist auch ausgeführt, dass es indirekt durch Steueränderungen zutage trat - die beherrschenden Medien haben nicht davon berichtet. Stattdessen kann man aktuell (14.6.) einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung lesen, wo sie ihre Glaubensbeflissenheit auf die Spitze treibt. Adrian Kreye schreibt über Atheismus und Politik - Mit Gott debattiert man nicht.
Erfolgsmeldungen aus Österreich (5.3.), und atheisten-info.at mokiert sich über die vergleichsweise geringe Austrittsrate in Deutschland.  Immerhin war das 1/3 Mio im Jahr 2010, von behaupteten 48 Mio Kirchenmitgliedern insgesamt. Wahrscheinlich sind die meisten davon Karteileichen, aber darüber gibt es keine Statistik. Die Zahlen seit 1970 zeigen jedenfalls einen kontinuierlichen Mitgliederschwund an, bei gleichbleibender Bevölkerungszahl. Wenn es so weitergeht, gibt es in 100 Jahren nur noch Atheisten und Muslime in Deuschland.

Folgerichtig zum Mitgliederschwund die aktuelle Meldung aus der Süddeutschen Zeitung (3.3., nicht online): Kirche nimmt weniger ein. Wenn man sich die Zahlen anschaut, sind es immer noch 4,8 Mrd Euro für die 27 katholischen Bistümer in einem Jahr. Es gab nur zwei höhere Ergebnisse, der höchste Wert stammt von 2008, da waren es 5 Mrd Euro. Man kann also nicht behaupten, dass sich der Mitgliederschwund angemessen niederschlägt. Dann müsste der Verlust doppelt so groß sein.

Jetzt liegen Zahlen aus Bayern vor (28.2.): Die Austrittsrate bei der Evangelischen Kirche bleibt konstant bei 20.000 pro Jahr (konstant heißt also 20.000 evangelische Kirchenmitglieder weniger in Bayern pro Jahr). Bei der Katholischen Kirche hat sich die Austrittsrate auf über 60.000 pro Jahr gesteigert (53.663 bei 5 von 6 Bistümern). "Die Kirche bröckelt," schreibt die SZ, "ein Anstieg um satte 48,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr". Dasselbe Thema bei BR-online, dort stellt man die Verknüpfung zum Missbrauch her.

atheisten-info.at spürt den Umwegen nach, mit denen die Kirchen den Mitgliederschwund ausgleichen wollen. Die Thema bewegt auch Österreich und die Schweiz. Immer wieder wird dort die Forderung zur Diskussion gestellt, Kirchenbeitrag oder Kirchensteuer durch eine "Kultursteuer" oder "Mandatssteuer" zu ersetzen, die allerdings nicht nur Kirchenmitglieder, sondern alle Steuerpflichtigen zahlen müssten und diese dann den Kirchen oder anderen Einrichtungen zuwidmen könnten. "Vom aufgeklärten Standpunkt aus mutet es geradezu bizarr an, dass die direktdemokratische Schweiz für eine fremde Diktatur das Inkasso macht."

Eine Begleiterscheinung macht sich in Frankreich bemerkbar, wie die New-York-Times-Beilage der Süddeutschen Zeitung am 17.1. berichtet (leider kein Link). "Bliss for many French is civil, not marital." Dort wird beschieben, dass mittlerweise der pacte civil de solidarite viele Hochzeiten ersetzt. Das Verhältnis ist zwei zu drei, mit steigender Tendenz. Es wird nur noch ein Vertrag geschlossen, denn "Heirat hat eine sehr institutionelle Seite, die uns nicht mehr passt."

Eine interessante Abrundung liefert die WELT ONLINE: Islamophobie erinnert an die Angst vor den Katholiken. Islamophobie ist nicht das Gleiche wie Antisemitismus. Die Vorbehalte gegen Muslime erinnern eher an die Katholophobie, die es bis ins 20. Jahrhundert gab. Kommentar bfg: Katholophobie gibt's immer noch, da muss man sich nur mal unter den Abtrünnigen umschauen.

Aktuelle Meldung aus Oberösterreich (31.12.): 14.000 Austritte 2010.  Die Gesamtzahl von Österreich: über 80.000 Austritte. Die zahlen in Deutschland dürften etwa fünffach höher liegen.

Zu der Verbohrtheit, mit der Gläubige wider die Vernunft an ihren Überzeugungen festhalten, äußert sich die Psychologie - aus The New York Times (Beilage in der Süddeutschen Zeitung vom 20.12.10), Strange, Complicated Creatures, von David Brooks: "Classic research has suggested that the more people doubt their own beliefs the more they are inclined to proselytize in favour of them. David Gal and Derek Rucker published a study in Psychological Science in which they presented some research subjects with evidence that undermined their core convitions. The subjects who were forced to confront the counterevidence went on to more forcefully advocate their original beliefs, thus confirming the earlier findings." Es nutzt also gar nichts, den Menschen Gegenbeweise zu zeigen, sie versteifen sich dann nur noch mehr auf ihre Einbildungen - eine bedauerliche Eigenart der komischen, komplizierten Kreaturen, die wir sind.

Wie verbissen sich das Festhalten am Glauben gestalten kann, und zu was für Methoden das führt, sieht man bei einem Singüberfall, wo Hallelujasänger sich unter nichtsahnende Leute mischen und denen ein Ständchen bringen. Man nimmt es recht locker, und es hat irgendwo auch was Nettes, aber trotzdem sollte man der Religion nicht die akustische Raumhoheit zugestehen. 

Ein ganz anderes Beispiel für Klammertaktik liefert Magda, das Magazin der Autoren (17.12.):  Vom Segen des Unglaubens "Ob Sie’s wollen oder nicht: Sie sind Christ." Das Prinzip dabei heiß einmal Christ - immer Christ. Dazu passt auch die Meldung von wissenrockt (20.12.): "krebskranker Hitchens erteilt Priestern eine Abfuhr." Man stelle sich den umgekehrten Fall vor,  Atheisten würden Totkranke dazu überreden wollen, von Gott abzufallen. Die Gläubigen würden das zu Recht als Zumutung empfinden - genauso ist es mit den Priestern, die über einen sterbenden Atheisten herfallen möchten.

Nach der gleichen Logik funktioniert wohl die neue Religionsstudie von news.de (16.12.): 68 % glauben an Gott, steht da. Regional gibt es aber starke Unterschiede: Im Westen sind es 74 Prozent, im Osten nur 42. "Die neue Sehnsucht nach Gott?" wird getitelt, und es heißt "In der news.de-Adventsumfrage bekennen mehr als zwei Drittel der Deutschen ihren Glauben an Gott. Hinter der plötzlichen Frömmigkeit muss etwas anderes als Überzeugung stecken, meint news.de-Redakteur Herbert Mackert. Ist es das Vorweihnachtsjahresendfrust-vermeidungssyndrom?" Gleich darunter steht ein Link: "Sprechen Sie hier ein Gebet und finden Sie Ihren Weg zu Gott!" Und etwas weiter eine Anzeige "christliche Politik für ein christliches Deutschland."
Kommentar: News.de gibt keinen Aufschluss darüber, wie die Zahlen zustandekamen, und auf welche Datenbasis die sich stützen. Dafür steht zweimal das Wort "angeblich" drin. Eine seriöse Umfrage von Allensbach (Zahlen in unserer Laizismus-Seite) kam zu anderen Ergebnissen, demnach sind 58 Prozent unreligiös und 69 Prozent nehmen die Religion nicht wichtig. Keine Rede von Sehnsucht nach Gott, sondern vielmehr wird die Religion als Alterserscheinung apostrophiert. Das dürfte der Realität entsprechen, nicht dieses Umfragen-Machwerk von religiöser Seite. Auch wenn z.B. die Hamburger Abendzeitung auf die Nachricht reingefallen ist, in den seriösen Medien findet sie sich nicht.

Nun gibts auch eine atheistische Hymne (11.12.): Atheist Song - First hymnal for Atheists

Die innerkatholische Diskussion (7.12.) zeigt, wie dort mit der Vernunft umgegangen wird: "Irrlehren eines Jesuiten: Gottesbild muss atheistisch sein!" Wenn jemand wissenschaftskonform argumentiert, ist das "häretisch". Kein Wunder, wenn immer mehr Menschen dem blinden Glauben abhold werden. Vernunft als Häresie zu bezeichnen, passt nicht mehr in die Welt. Wenn zwischendurch ein wenig Humor gestattet ist, mag diese schöne Vereinigung von Religion und Technik für Erleuchtung sorgen:

Eine andere krause Vorstellung erreicht uns aus Österreich. Atheisten-info hat nachgerechnet, was es mit Mariä Empfängnis (8.12., österreichischer Feiertag) auf sich hat. Nichts gescheites, und daraus wird ein witziges Tauschangebot für Feiertage hergeleitet. Man muss sich fragen, ob die Kirche überhaupt noch mehr zu liefern hat als Stoff für Witze. Viele Menschen beantworten diese Frage abschlägig, und dementsprechend gestalten sich die Kirchenaustritte.

Weitere Gründe liefert eine neue (7.12.) Philippika gegen das Christentum und den Gottesglauben von Christopher Hitchens, genau zum Thema, warum man nicht glauben sollte. Nicht sehr wissenschaftlich, aber auf den richtigen Argumenten wird fleißig rumgehackt.

Update 20.11. aus Österreich: Maßgebliche Mitglieder der ÖVP starten eine massive diskriminierende Hetze gegen unreligiöse SchülerInnen. Auch das fügt sich in die Sammlung der Austrittsgründe ein.

Nachtrag 2.11.: ein Bericht über Missionsbemühungen in Österreich, die in der Diözese Wien inszenierte "Apostelgeschichte 2010" - offenbar war dieser katholische Probelauf für eine "Neuevangelisierung" ein flop.

Aktualisiert 26.10.: Kirchenskandal in Finnland - Flucht der Liberalen. In einer Talkshow stellen finnische Kirchenfunktionäre klar, dass Homosexualität eine Sünde sei. Als Reaktion erlebt die Kirche eine nie dagewesene Austrittswelle.

Nachtrag 20.10.10, aus Offensiv auf Distanz, von Prof. Dr. Renate Köcher in der FSZ vom 17.10.10: Die Religion wird zur Alterskultur. Der Wortlaut der statistischen Ergebnisse bei atheisten-info.at

Aus Österreich erreichen uns die gleichen erfreulichen Meldungen, vol.at
Die Süddeutsche Zeitung schreibt zu diesem Trend: Kein Vertrauen, keine Mitgliedschaft: Der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche zeigt in der Erzdiözese Wirkung - die Zahl der Austritte hat sich in den letzten Monaten verdreifacht.
Zur Unterstützung dieser erfreulichen Entwicklung gibt es die online-Petition von laizisten.de, die jeder zeichnen und rumschicken sollte wo immer möglich. Weitere argumentative Rückenstärkung gibt es bei der Giordano-Bruno-Stiftung. Der österreichische Kabarettiist Josef Hader gab der Welt zu diesem Thema ein Interview: "Ich habe mich von der katholischen Erziehung gelöst." Der österreichische Kabarettist Josef Hader erzählt in der Serie "Das war meine Rettung" von seinem schwierigen Verhältnis zu Glaube und Unglück

... und zum Mitmachen das Austrittsformular.