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Kirchentag - Grusswort & Abgesang

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 10. Mai 2010 - 2:00

Abgesang auf den ÖKT:
Das letzte, was man von ihnen sah, war der Stau auf der Autobahn, und nun beten sie woanders. Hinter sich lassen sie einen Kirchentag der verpaßten Chancen. Nichts wurde bewältigt, es wurden keine Weichen für die Zukunft gestellt. Es wurde gesungen und gebetet, und der Kopf wurde in den Sand gesteckt. Natürlich muß es irgendwie intim sein, wenn man seine Paranoia mit Gleichgesinnten ausleben kann, und man hat dann keine Angst, ausgelacht zu werden. Drum wollten die Kirchentagsbesucher soviel beten und singen. Denken wollten sie nicht, und sich der Realität stellen.
Religiöse Rezepte zur Meisterung der Realwelt sind schon deshalb zum Scheitern verurteilt, weil sie an der Moderne vorbeigehen. Zudem fehlt ihnen in einer globalen Welt die Akzeptanz, weil der Gültigkeitsbereich jedes Glaubens an Grenzen stößt, und dahinter geht's mit anderer dogmatischer Willkür weiter. So wird es nie was damit. Wie schade, daß sich die Religion der einzig weltumfassenden Geisteskraft verweigert, der Aufklärung und dem Humanismus. Für die Wissenschaft haben sie nur die Arschlochnummer übrig, die sich der vormalige Bischof Ratzinger ausgedacht hat, es wäre »vernünftig zu glauben«, und es wären »Glaube und Wissenschaft zwei Seiten derselben Sache«.
Eingelullt von solcher Realitätsflucht bleibt nur die gemeinschaftliche Gefühlsduselei. Sorry, dieses Gemeinschaftsgefühl wollen wir ihnen nicht mißgönnen. Wer weiß, wann sie wieder soviel davon zusammenkriegen, wo doch die Zahl der Gläubigen wegschmilzt. Aber es ist betrüblich, das versammelte Wertepotential so sehr fehlgeleitet zu sehen. Einiges von dieser Betrübnis schimmerte ja auch durch und schmälerte die Stimmung. Das Nieselwetter drückte schon ganz richtig aus, wie die Befindlichkeit der Christenheit ist: Trübe, und die Perspektive sieht düster aus.

Servus und Grüß Gott, sagt Sarah Jäckel, Vorstandsmitglied im bfg München, ein Grusswort an die Teilnehmer des ökumenischen Kirchentags:

„Damit ihr Hoffnung habt“ - unter diesem Motto seit ihr Gläubigen der christlichen Konfessionen also nun zu Gast in München. In Deutschlands südlichster Großstadt, die den etwas zweifelhaften Ruf einer konservativ-christlichen Grundeinstellung genießt, aber viel viel mehr als das ist. München ist eine multikulturelle Stadt, deren Einwohnerinnen und Einwohner einen offenen Lebensstil pflegt, eine Stadt, in der Religion und Religiösität zwar ihren Platz haben, aber die sich sicher nicht darüber definiert.
Wir - also die Vertreterinnen und Vertreter der Konfessionslosen, Atheisten, Ungläubigen und Freidenker - heissen euch willkommen, denn ihr repräsentiert wie wir die Vielfalt und Offenheit unserer Gesellschaft. Wir alle dürfen glauben was immer wir wollen, das ist unser aller erkämpftes Recht. Gerade weil unsere Positionen teils diametral entgegengesetzt sind, freuen wir uns auf die Diskussion und den inhaltlichen Diskurs mit euch. Wir wollen euch nicht missionieren - doch wir wollen auch nicht missioniert werden. Genießt euren Kirchentag in unserer Mitte und seit euch unseres Respekts sicher. Denn auch wir erwarten euren Respekt als Gäste: den Respekt vor unseren Ansichten und unseren Weltanschauungen.
Wir haben Hoffnung - auf ein konstruktives Miteinander für eine offene Gesellschaft ohne gedankliche Tabus, ohne Hass und Hähme gegen Andersdenkende und Minderheiten egal welcher Couleur. Wir hoffen auf ein friedliches, fröhliches Pfingsten mit euch hier in unserer Stadt. Und laden euch genau so wie ihr uns zu unseren Veranstaltungen ein.
Ihr seid uns herzlich willkommen!

Wilfried Müller, Vorstandsmitglied im bfg München, entbietet kritischere Grüße. Seine Grußadresse zum Ökumenischen Kirchentag 2010 in München fordert:
Macht Eure Religion unschädlich für unsere Zukunft!

 

  • der Weg zu Weltfrieden und Umweltschutz heißt Geburtenbeschränkung und nicht Kinderkriegen auf Teufel komm raus!
  • ansonsten akzeptiert endlich die Natur des Menschen, wie sie ist, und macht Schluß mit der verklemmten Heuchelei. Rumbumsen ist hui, Zölibat ist pfui, und nicht umgekehrt!
  • gebt die Unfehlbarkeitsansprüche von vor 2000 Jahren auf und steht dem ethischen Fortschritt bei Markt und Technik nicht im Weg. Für Börse, Lohn und Roboter sind ganz neue Dogmen fällig! 

Auf ein gedeihliches Miteinander und servus!

... und noch ein paar Takte Sinnieren über den Kirchentag:
Bedauerlich, wenn so viele wertvolle Menschen zusammenkommen, um sich an überkommene Phantasien wegzuschmeißen. Bei der Realitätsflucht in die elysischen Gefilde vergeuden sie ihre moralische und ethische Kompetenz. Sie könnten ihre Zeit und ihre Kraft besser nutzen. In der Realwelt gibt's viel zum Drumkümmern.
Das ethische Potential der Guten müßte endlich eingesetzt werden, um ein zukunftsfähiges Ethos zu installieren, welches nur unbelastet von Religion zu weltweiter Akzeptanz finden kann. Dafür muß ein neuzeitliches Weltbild zugrundeliegen, und es braucht vernunftkompatible Regeln und eine realistische Sicht von Mensch, Markt und Technik.
Solange das Ethos dem Eigennutz der Religionen folgt, solange fußt es auf irrationaler Willkür und unreformierbarer Dogmatik. Dann wird es von der Realität rechts und links überholt, mit den Folgen, die wir alle spüren.
Es wäre der Mühe der Besten wert, diesem Zustand abzuhelfen. Die Welt braucht keine Regeln, die den Menschen überkandidelte Zwänge auferlegen und sie versklaven. Sie braucht wohlbegründete Dogmen, die das ethische Vakuum um den technischen Fortschritt herum füllen, und am dringendsten braucht sie sozial verträgliche Regeln für den Umgang mit Finanzmärkten und Robotern.
In dieser Richtung wäre die ethische Bevormundung durch eine moralische Elite (damit sind nicht die Mixas und Ratzingers gemeint!) nicht nur erträglich, sondern wünschenswert. So sieht das Ziel aus, das sich ein Mensch mit hoher moralischer Selbsteinschätzung heutigentags setzen sollte.