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"Pfarrer" Gandl in den Schlagzeilen - Drehverbot für Siegfried Zimmerschied

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 4. November 2010 - 1:00

Wie tolerant und nächstenlieb es in der Kirche zugeht, verdeutlicht auch das "kreuzbrave Haberfeldtreiben"(18.11.), wo es mal wieder um das Kreuz an der Wand geht, das vor gottlosen Ausländern geschützt werden muss. Ort der Szene ist diesmal Regensburg.

Unruhe um einen Friedfertigen - "Gache Wurzn"- Preisträger Zimmerschied an allem schuld?
In dieser Woche sollten die Szenen in der Pfarrkirche gedreht werden. Sankt Magdalena bei Kollnburg hatte das Filmteam dafür ausgesucht. Hier sollte der Passauer Kabarettist Siegfried Zimmerschied den Dorfpfarrer Gandl spielen. Das ZDF dreht im Bayerischen Wald einen Kinofilm.Der Titel: "Eine ganz heiße Nummer". Es geht um die drei Dorffrauen Maria, Waltraud und Lena, die vor dem Nichts stehen, als der einzige Dorfladen schließt und sie damit ihre Arbeit verlieren. Der Film erzählt die Suche der Drei nach unkonventionellen Auswegen aus der wirtschaftlichen Not läßt sie auf das Geschäft mit Telefonsex kommen. Insgesamt der Stoff für eine witzige, kritische Komödie mit seriösem Bezug, meint die CSU-Bürgermeisterin Josefa Schmid (die auch noch selber mitspielt).

Link auf den Artikel bei pnp
Nun kann ein Teil der Filmszenen nicht gedreht werden; das Bistum Regensburg erläßt durch Bischof Müller ein Drehverbot für die Szenen in der Kirche. Er dürfe mitteilen, schrieb ein Bistums-Pressesprecher an das Produktionsteam, dass die geplanten Dreharbeiten im Kircheninneren nicht durchgeführt werden könnten. Ein Gotteshaus als liturgischer Raum, in dem die Heilige Messe gefeiert werde und Gläubige beteten, könne nicht in Zusammenhang mit dem Thema Telefonsex gebracht werden. Also will heißen, in der Realität vielleicht schon (man denke nur an die einschlägigen Missbrauchs-Meldungen der letzten Monate), aber nicht auch noch im Film, oder?
Sigi Zimmerschied kennt solche Situationen. 1975 sorgte er in Passau und bald auch darüber hinaus für Aufregung, als er im Peschl-Keller gemeinsam mit Bruno Jonas "Die Himmelskonferenz" aufführte. Jesus rauchte dabei einen Joint, der Heilige Geist war angetrunken und Maria zum zweiten Mal schwanger, weil Petrus ihr die Pille verwehrte. Es folgte eine (echte) Anzeige des Passauer Generalvikars. Ein Gymnasialdirektor bescheinigte als Gutachter der Staatsanwaltschaft, dass der Glaube an einen allmächtigen Vater durch die Darstellung eines ohnmächtigen Gott Vaters verächtlich gemacht worden sei. Die Staatsgewalt sprach die jungen Kabarettisten zwar nach halbjährigen Ermittlungen frei - unter Bezugnahme auf die Kunstfreiheit. Zimmerschied, der vielfach Ausgezeichnete (u.a. 2008 mit dem Gache Wurzn-Preis für Zivílcourage des bfg mÜnchen) ist bis heute für seine damals ausdauernden Auseinandersetzungen gerade auch mit der katholischen Amtskirche berühmt. Nach seiner Ansicht richtet sich das Verbot nicht so sehr gegen das Thema, auch nicht gegen die Schauspielerkollegen Gisela Schneeberger, Michael Fitz u.a., sondern wohl hauptsächlich gegen ihn als Darsteller des Pfarrers. Weitere Informationen aus der SZ "Die Angst des Bistums vor Telefonsex".

Anmerkung: aus freigeistiger Sicht ist es aber verständlich, wenn der Bischof seinen Wolkenschieberpalast nicht fürs Verhohnepipeln hegeben mag. Was wohl der Papst dazu sagen würde, mit seinem Spezl, dem iranischen Präsi?