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Projekt: Widerstand gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz

Zuletzt aktualisiert von bfg Fürth am 3. Dezember 2018 - 19:05

Die Unterstützung von nichtreligiösen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Diakonie und Caritas ist uns ein wichtiges Anliegen. Mit GerDiA, der bundesweiten "Kampagne Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz" arbeiten wir eng zusammen, um säkulare Interessen wirksam zu vertreten.

GerDiA - AntidiskriminierungsgesetzBildquelle: Jaques Tilly

In einem Fall wurden wir sogar in einem Betrieb tätig, in dem nicht das problematische kirchliche Arbeitsrecht, sondern ganz ohne Einschränkung das allgemein gültige Betriebsverfassungsgesetz und auch das Antidiskriminierungsgesetz gilt. Dennoch kam es dort zu höchst seltsamen christlichen Umtrieben:

Wir wurden auf eine Predigt aufmerksam, in der das Gemeindemitglied einer Freikirche in Fürth verkündete, wie er in seinem Betrieb als leitender Angestellter seine christlichen Werte lebe. Die Selbstaussagen ließen darauf schließen, dass Christen bei Einstellungen bevorzugt werden, die Mitglieder eines firmeninternen Gebetskreises Vorteile genießen könnten, Mitarbeitende gegen ihren Willen missioniert werden, usw. Seine Gemeindemitglieder rief er dazu auf, zu prüfen wo sie es ihm, in ihren eigenen Arbeitsverhältnissen, gleich tun könnten.

Wir brachten darauf hin unser Unverständnis in einem Brief zum Ausdruck und baten um Beantwortung einiger kritischen Fragen, innerhalb einer gesetzten Frist. Konkret wollten wir wissen:

  1. Bevorzugen Sie, bei gleicher fachlicher Eignung, Christen vor Nichtchristen?

  2. Die Formulierung „ich hab das tun dürfen“ legt nahe, dass Ihre Vorgesetzten im Betrieb Y Ihnen die Erlaubnis gaben, christliche BewerberInnen bei Stellenbesetzungen zu bevorzugen. Haben Sie diese Erlaubnis erhalten?

  3. Im Kontext Ihrer Predigt, die auch den Satz enthält: „Wir dürfen so arbeiten als wäre Jesus unser direkter Vorgesetzter“, kann auch vermutet werden, dass Sie die Erlaubnis zur Ablehnung nichtchristlicher BewerberInnen aus den Worten Ihres Gottes ziehen.
    Treffen Sie Entscheidungen für den Betrieb Y auf Grundlage göttlicher Aufträge?

  4. Gibt es eventuell andere Erklärungen die wir übersehen, oder Missverständnisse denen wir aufsitzen?

Vom predigenden Mitarbeiter selbst erhielten wir keine Antwort, aber die Standortleitung der Firma nahm das Anliegen sehr ernst, beantwortete unser Schreiben und stellte dabei klar, dass dezidiert diskriminierungsfreie Personalpolitik betrieben würde. Dies wurde mit dem Hinweis auf gültige und eindeutig formulierte Regelungen belegt.

Außerdem berichtigte der Vorgesetzte einen wichtigen Punkt: Der betroffene Mitarbeiter, den wir für einen leitenden Angestellten mit Kompetenzen im Personalbereich sahen, dürfe gar keine Personalentscheidungen treffen, sondern höchstens Vorschläge zur Besetzung der Stellen einbringen.

Wir zeigten uns mit der Reaktion einverstanden, weil gelungen war die Grenze zwischen persönlichem Glauben und beruflichen Leitungshandeln wieder klar zu ziehen. Aus unserer Antwort:

Wir halten zwar auch andere Aussagen der Predigt, wie Herr X seine Religiosität bei Ihnen im Betrieb lebt, für bedenklich. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten aus unserer Sicht nicht derartigen Missionierungsversuchen ausgesetzt sein. Wir denken jedoch, dass das eher Fragen sind die innerhalb der Institution diskutiert und gelöst werden sollten. Die Notwendigkeit einer Intervention unseres weltanschaulichen Verbandes, um die Interessen religionsfreier Menschen öffentlich zu vertreten und im Konfliktfall zu verteidigen, sehen wir in diesem Bereich nicht.

Wir vermuten, dass die Aufmerksamkeit der Leitung, was religiöse "inner circles" und firmeninterne Missionierungsversuche betrifft, durch unser Eingreifen deutlich gesteigert ist.
Auch den Gemeindemitgliedern der Freikirche könnte klar geworden sein, dass wir Widerstand leisten, wenn religiöse Ansichten als bedeutsamer und den (arbeits-) rechtlichen Regelungen übergeordnet verstanden werden.

Falls wir keine Antwort erhalten hätten, wären wir auf die lokale Presse zugegangen, mit der Bitte dem Verdacht auf religiöse Diskriminierung mit einer öffentlichen Berichterstattung nachzugehen.

Für Mitarbeitende in Betrieben und kirchlichen Einrichtungen, die von religiöser Diskrimininerung betroffen sind, stellen wir uns gerne als Ansprechpartner, Vermittler von Hilfen und Unterstützer zur Verfügung. Gerade wenn man in einem Abhängigkeitsverhältnis steht, ist es oft nicht einfach selbst die klärende und notwendige Kritik zu äußern.


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Bund für Geistesfreiheit Fürth k.d.ö.R.
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